Teil 2

 

Mit dem Rad durch Sizilien von Villa S. Giovanni nach Rom

vom 8. bis zum 23. Mai 2016

 

© Text und Bilder Klaus Goerschel

 

An der Hafeneinfahrt von Messina stieß ich auf das Mariendenkmal "Madonna della Lettera". Maria ist die Schutzpatronin der Stadt Messina. Der Spruch lautet: "Vos et ipsam civitatem benedicimus" - "Wir segnen euch und die Stadt".

 

Fast stündlich fuhr die Fähre von Messina nach Villa San Giovanni über die 3 bis 4 km breite Straße von Messina.

Mit der Überfahrt nach Villa S. Giovanni hatte ich die Insel Sizilien verlassen und die Provinz Kalabrien auf dem italienischen Festland erreicht. Die Sonne stand schon tief über dem Meer und ich musste für die Nacht eine Unterkunft finden. In Bagnara hatten sich auf der Uferpromenade viele Menschen versammelt, um sich zu begegnen und gesehen zu werden.

Bagnara in der Abendsonne. Die Küstenstraße wand sich nun unaufhaltsam in die Berge hinauf.

 

Leider fand ich kein Albergo oder eine sonstige Unterkunft. Da kam mir dieses österreichiche Paar entgegen. "Es geht immer bergauf. Wir sind mindestens schon eine Stunde nur bergab gefahren, eine Herberge haben wir nicht gesehen. Viel Glück für die weitere Reise", sagten sie und setzten ihre Fahrt fort. Dann ging es richtig steil bergauf. Ich schob mein Fahrrad, suchte nach einfachen Schlafplätzen am Straßenrand und hatte aber mit Einbruch der Nacht noch nichts gefunden.

 

Ich arbeitete mich weiter den Berg hinauf durch ausgestorbene Dörfer und über finstere Landstaßen. Die Hoffnung ein Albergo, einen Campingplatz oder wenigstens eine Stelle um wilden Zelten zu finden hatte ich aufgegeben. Als ich den Gipfel erreichte, sah ich gegen 23.30 Uhr auf dem Hochplateau eine offene Bar. Welch Wunder, ich konnte sogar noch ein Schnitzel mit Pommes bestellen. Die Neugier der Anwesenden auf den späten Gast war natürlich groß. Kaum hatte ich mein Problem geschildert und gesagt woher ich kam, halfen mir sie mir alle gleich weiter. Der Kellner forderte mich auf, mein Fahrrad in sein Auto zu packen, um mich zu einer Ferienhaussiedlung zu fahren. Mit deren Besitzer sei er befreundet und bestimmt würde er mir weiter helfen.

 

Nachts 1.00 Uhr war ich hier untergebracht und konnte glücklich aufatmen.

Ein erster Blick auf Palmi. Von meiner Unterkunft auf der Höhe ging es unentwegt den Berg bis zur Küste hinunter.

 

Hatte ich auf Sizilien den Frühling suchen müssen, so kam er mir hier in Kalabrien farbenreich und mit betörendem Duft entgegen.

 

Kalabrien war ein Bergland, dessen Küstenstraßen sich oftmals über Berggipfel wanden. Ich musste in brennender Sonne die Landstraße zur Stadt Gioia hinauf. Nur manchmal kühlte mich eine kleine Seebrise. Immer wieder hielt ich Ausschau nach Wasserquellen, aber die gab es hier leider nicht.

 

Kleine Rast in Tropea.

Schöne Blumen belebten meine Fahrt über die Berge Kalabriens.

 

Nahe der kleinen Stadt Briatico waren mehrere Campingplätze saisonal bedingt leider noch geschlossen. Als mir die Zeit wieder einmal davon lief, entschloss ich mich, in Nähe eines solchen Campingplatzes am Strand zu übernachten. Es wurde eine wunderschöne laue Nacht. Es war fast noch dunkel, als ich meine Sachen packte und den romantischen Strandplatz verließ.

 

Wegweiser in der Morgendämmerung. Ja, wohin denn nun?

 

Als ich in aller herrgottsfrühe in Pizzo eine Bar mit dem Gruß "Buon Giorno" betrat, grüßte mich der Wirt mit "Buona Notte". Ich war froh, dass er nicht weiter fragte, woher ich um diese Zeit käme und bestellte einen großen Espresso.

 

Es war ein Genuss. In dem klaren und frischen Morgen leuchtete der rote Mohn. In der Ferne tauchten schon wieder Berge auf, aber die Küstenstraße an der Bucht von Eufemia blieb glücklicherweise flach.

 

Die Region Cosenza war erreicht. Da sah ich diesen Fluss, der mich sofort an das Gedicht von August von Platen " Das Grab im Busento" erinnerte.

 

20 km vor Amantea kurz vor 12 Uhr mittag, winkte mich die Polizei von der Straße. "In 2 Stunden kommt das Feld des Giro d´Italia". Also geduldete ich mich und wartete selber gespannt auf die Fahrer des Giro.

 

Wie ein Wirbelsturm brausten sie an mir vorbei. Mir schien, dass sich die Energie des Feldes auf mich übertrug, denn eine tiefe Rührung ergriff mich.

 

Die Küstenstraße am Thyrenischen Meer war ohne besondere Steigungen. So erreichte ich am frühen Abend die Stadt Paola. Ach ja, heute hatte ich Geburtstag. Gab es etwas zu feiern? Natürlich! Ich habe mich sehr über die Gratulationen aus der Heimat gefreut und stellte fest, dass ich heute der Heimat 100 km näher gekommen war.

 

In Paolo quartierte ich mich zur Feier des Tages in dem Hotel "Blumentag" ein.

 

 

Regen in den Bergen und unerträgliche Hitze an der Küste bei Belvedere.

Nach einem Tag auf einer bergigen Küstenstraße in drückender Schwüle mit starken Lastwagenverkehr und durch viele unbeleuchtete Tunnel, fand ich auf einer Anhöhe in Maratea eine nette kleine Unterkunft. Sogar ein kleiner Supermarkt war in der Nähe und so machte ich mir einen guten Abend mit selbst gebratenen Steaks, gut gewürzten Kidney-Bohnen und tintenschwarzem Rotwein. Schnell vergaß ich die Anstrengungen des Tages.

 

Schon morgens, als ich das Albergo verließ, nieselte es.

 

Unter der Markise dieser kleinen Bar in Sapri wich ich dem Nieselregen aus ...

... und trank einen belebenden Espresso.

Es ging 7 km bergauf nach San Giovanni. 2 Stunden musste ich bei heftigem Gegenwind das Fahrrad schieben.

 

Ein Normannenschloss in Lentiscosa.

Es war herrlich auf dieser schönen, wunderbar ruhigen Küstenstraße bei mildem Sonnenschein und klarer Luft zu radeln.

 

In Palinura sollte es mehrere Campingplätze geben. Nach langer Suche fand ich den einzigen Platz in der ganzen Region, der in Betrieb war: Camping Madeleine

 

Zwei Deutsche auf einem riesigen Campingplatz, ein Motorradfahrer und ich.

Nach gründlicher Reinigung hatte ich eine Behelfsküche für mich, wo ich mir bei einer Flasche Bier ein gutes Steak braten konnte.

 

Mein heutiges Tagesziel war Paestum. Die Küstenstraße war unruhig und jederzeit drohte es zu regnen.

 

Die Küste nach Pisciotta war anstrengend aber auch sehr schön.

 

Wenn die Bewohner nicht auf Fischfang aus waren, bauten sie ihre Dörfer mit Vorliebe auf die Bergkuppen.

 

 

Starker Wind an der Küste zwischen Agropoli und Paestum.

 

 

So führte mich mein Weg zum Campingplatz "Campeggio dei Pini". Für den nächsten Tag hatte ich einen ausgiebigen Besuch von Paestum geplant. Die Vorstellung, dass bereits Goethe und Seume hier geweilt hatten, beflügelte mich ganz besonders. Und als ich dann am nächsten Morgen den Boden der archäologischen Stätte betrat, wurden die Bilder von Peastum aus meiner Schulzeit wieder lebendig.

 

Um 600 v.Cr. wurde in einer fruchtbaren Ebene am Rande des Golfes von Salerno die griechische Kolonistenstadt Poseidonia gegründet. Die Stadt entwickelte sich prächtig, da die neuen Siedler erfolgreich den fruchtbaren Boden kultivierten und einen lebhaften Handel betrieben.

In den Jahren nach 274 v.Cr. eroberten die Römer Kampanien und machten den Ort unter dem Namen Paestum zur latinischen Kolonie. Erst in der römischen Kaiserzeit verlor paestum an Bedeutung und nach dem Einfall der Sarazenen und Normannen im 9. und 11. Jahrhundert hörte Paestum auf zu existieren.

 

Das ist der Poseidon Tempel, der 450 v.Chr. erbaut wurde und als besterhaltenster dorischer Tempel in Italien gilt. Ich freute mich über den gut erhaltenen Zustand des Tempels, war aber von der massigen Stärke der Säulen und der schweren Ausführung von Architrav und Fries auf beklommene Weise beeindruckt.

 

Ein kleines römisches Amphitheater, das zur damaligen Zeit den Bürgern als Versammlungsort diente.

 

Der Poseidon-Tempel von der Via Sacra aus gesehen.

 

Vornehme Römerinnen in faltenreichem Gewand.

 

Touristisches Treiben vor dem Poseidontempel, letztlich die Hauptattraktion von Paestum.

 

Im nationalen archäologischen Museum von Paestum sind viele Metopen ausgestellt, diese hier vom Hera-Tempel. Herakles ist zu sehen, wie er die gefangenen Cercopes kopfüber aufgehängt ihrer Strafe zuführt. Es gibt noch weitere Metopen vom Heratempel, die allesamt recht grausame Motive zeigen.

 

Der Tempel der Athena 510 v.Chr. erbaut und damit jünger als der Poseidon -Tempel. Er erschien mir wegen seiner schlankeren Säulen, die sich nach oben auch stärker verjüngen, sowie des niedrigeren Architravs, von größerer Leichtigkeit, fast möchte man sagen von größerer Eleganz. Ein wenig seltsam berührten mich die duftenden Rosenbüschen, denn sie erschienen mir wie ein Zugeständnis an den heutigen Zeitgeschmack.

 

Ein Tourist, den ich um ein Foto bat, dirigierte mich zu diesem Rosenbusch. So recht begeistert war ich nicht.

 

Aber dann las ich nach, dass Johann Gottfried Seume auf seiner Italienreise 1802, als er Paestem besuchte, bitterlich beklagte, dass er die von Vergil 50 v.Chr. beschriebenen Rosen nicht finden konnte. "Ich durchschaute und durchsuchte selbst alles ....... aber es war keine einzige Rose zu finden." Er machte seinem Führer begreiflich, dass die Rosen von Paestum ehedem als die schönsten der Erde berühmt gewesen seien. Nun war ich versöhnt und verstand die Bemühungen wieder Rosen nach Paestum zu bringen.

Hier der dorische Hera-Tempel auch Basilika genannt, 540 v.Chr. erbaut, ist der älteste der Tempel von Paestum.

Ein Blick auf die noch heute fruchtbare Ebene in der Nähe des Golfes von Salerno. Zur Zeit der Wiederentdeckung Paestums breitete sich hier eine bewaldete Sumpflandschaft aus.

 

Nach Paestum fuhr ich auf schnurgerader flacher Küstenstraße 35 km bis Salerno. Regenwolken hingen über der Stadt. In der Innenstadt begann es dann tatsächlich zu regnen.

 

Salerno ist heute eine bedeutende Wirtschaftsmetropole mit einem leistungsfähigen Umschlaghafen am Thyrenischen Meer.

 

 

Belebte Straßenkreuzung in San Vietri. An dieser Stelle zweigt die Straße zur Amalfiküste ab. Von dieser berühmten Küste hatte ich schon viel gehört und war nun sehr gespannt welche Schönheit mich hier erwarten würde. Leider war es immer noch sehr regnerisch.

 

Schon auf dem ersten Kilometer der Küstenstraße, Amalfitana genannt, zeigte sich der Charakter der Amalfiküste mit steilen Felsabhängen und romantischen Buchten.

 

Zwei deutsche Radtouristen auf ihrem Weg nach Süditalien. Ich glaube die Amalfiküste lässt sich keiner entgehen.

 

Das ist die berühmte Stadt Amalfi, die der Küste den Namen gegeben hat. Die Häuser pastellfarben und kunstvoll in die steil abfallenden Felsen gebaut.

 

Trotz des Regens großes Gedränge im Stadtkern von Amalfi.

 

Die Hotels sind in den Fels gemeißelt und mit hängenden Felsgärten geschmückt.

 

 

Das kleine Dörfchen Furore versteckt sich in einem schmalen Fjord. In diesem Augenblick stehe ich auf einer Brücke, die die Amalfitana über diesen Felseinschnitt führt.

 

Die Amalfitana steigt auf und ab, aus den Buchten in die Berge und von den Bergen hinunter zur Küste. Aber die traumhafte Landschaft ließ mich alle Anstrengungen der Fahrt vergessen.

 

An der Amalfiküste reihte sich eine Bucht und ein Kap an das andere bis weit hinaus zum Kap Campanella.

 

 

Wieder einmal ein mühseliger Anstieg. Dafür zum Lohn dieser herrliche Blick auf auf Positano.

 

Die Abendsonne stand über dem Meer und leuchtete auf den Fontanelle Pass.

 

Morgentlicher Blick vom Campingplatz hinunter auf Sorrent

 

Heute breche ich schon früh auf, denn es treibt mich nach Pompeji. Auch diese antike Stadt, über deren tragisches Schicksal ich viel gelesen habe, wollte ich mit eigenen Augen gesehen haben.

 

Palmen und blaues Meer in der Bucht von Neapel.

 

Am Ende der Halbinsel von Sorrent liegt Vico Equense. Es war ein traumhafter Tag und ich genoss die milde Luft des Golfes von Neapel und ganz in der Ferne konnte ich sogar den Vesuv sehen.

 

Um die antike Ausgrabungstätte Pompeji herum quartierte ich mich auf dem Campingplatz "Spartakus" ein. Mit Toni, meinem netten Nachbarn teilte ich diesen Tisch.

Für den Abend gesellten sich noch Jörg und Johanna zu uns. Jeder spendierte eine Flasche Wein und so feierten wir in ausgelassener Stimmung unsere Bekanntschaft und Aufenthalt in Pompeji.

 

Bronze Statue in der Nähe des Venus Tempels. Wie ein Wächter schaut der Jüngling auf das neue Pompeji.

 

Ruinen von Pompeji vor dem Vesuv. Das Wölkchen täuscht einen dampfenden Schlot vor.

79 n.Chr. hatte ein Ausbruch des Vesuvs die Stadt Pompeji vollständig unter einer Ascheschicht begraben. Erst im 18. Jahrhundert wurde die römische Stadt wiederentdeckt und steht seitdem im Zentrum des archäologischen Interesses der Forscher an der Antike.

 

Großes Interesse vor den Lagerräumen der Gipsabdrücke der Opfer des Vulkanausbruchs.

 

Gipsabdruck eines mit Asche bedeckten Opfers des Vulkanausbruchs.

 

Der mit Säulen eingefasste Innenhof einer vornehmenen Villa.

Wandgemälde im Haus der Venus. Vor allem die zahlreichen Wandgemälde geben ein sehr lebendiges Bild vom Fühlen und Denken der damaligen Bewohner.

 

Kleines Tempelchen in einem Areal, das noch der Ausgrabung harrt.

Das ist eine Kopie des Mosaiks, das den Kampf von Alexander gegen den persischen König Darius zeigt.

 

Den ganzen Tag war ich durch Pompeji gelaufen. Am Nachmittag endlich hatte sich die Besuchermenge auf dem Forum aufgelöst. Ein Foto von mir vor der Zentaurenstatue.

Für mich war der Besuch Pompejis eine wertvolle Bereicherung. Die Überreste dieser antiken Stadt mögen auf den ersten Blick düster erscheinen. Sehr verständlich, da diese Stadt aus einer Ascheschicht vom Ausbruch des Vesuvs wieder herauspräpariert werden musste. Die Ausgrabungsarbeiten dauern bis heute an und sind noch längst nicht abgeschlossen. Doch wenn man die Hausruinen und ihr freigelegtes Inventar genauer anschaut, so bieten sie doch einen hervorragenden Einblick in das alltägliche Leben der Menschen im römischen Reich.

 

Herzliche Verabschiedung von Toni. Bis Neapel waren wir gemeinsam gefahren.

Neapel, die Stadt, die aus allen Nähten platzt. Der Strom einer Blechlawine riss mich unaufhaltsam durch Neapel, sodass ich heil froh war, diese Stadt ohne Karamboulage hinter mir gelassen zu haben.

Noch ein letzter Blick von Neapel auf den Vesuv.

Eine Schwefelquelle in Solfatara. Unter gewaltigem Zischen und Dampfen strömte Schwefel aus dem Erdschlund.

 

Das schöne Wetter und die Aussicht, bald Rom zu erreichen beflügelten mich. So kam ich gut voran und gönnte mir an dieser Marina mit Blick auf Gáeta eine ausgiebige Rast.

 

Camping kurz vor Terracina.

 

Flache Küstenlandschaft mit Binnenseen vor Sabaudia.

 

Hinter den Dünen hatten sich Süßwasserseen gebildet.

 

Radeln auf flachem Küstenland unter einem hoch gewölbtem Himmel und mit Rückenwind ist großartig.

 

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Campingplatz am Lido dei Pini fuhr ich auf schnurgerader Küstenstraße auf Ostia zu.

Ich flog geradezu Richtung Rom. Man hatte mir geraten, auf der Cristoforo Colombo in die ewige Stadt zu radeln. Diese in Latium charakteristischen Pinien säumten meinen Weg. In der Ferne konnte ich die ersten Häuser von Rom erkennen.

Jetzt war der Moment gekommen, auf den ich so lange gewartet hatte. Ich war in Rom angekommen! Die Stadt wurde der Sage nach von Romulus und Remus 753 v. Chr. am Fuße des Hügels Palatin gegründet. Im Laufe der Zeit dehnte sich die Stadt über 7 Hügel aus. Und diese Hügel setzten mir nun in brennender Mittagshitze gewaltig zu.

Nachdem ich fast den ganzen Nachmittag in Rom nach einer Unterkunft gesucht hatte, fand ich schließlich am Abend an der Stadtgrenze südöstlich von Rom ein Hotel.

 

Am nächsten Tag radelte ich fast 2 Stunden von meinem Hotel aus auf der Tuscolana in das Zentrum von Rom. Dann fuhren einige Radfahrer vor mir, die wohl das gleiche Ziel wie ich selbst zu haben schienen und die Stadt in Wildwestmanier querten. Sie brausten bei Rot über die Kreuzung, fuhren gegen die Einbahnstraße, nutzten den Bürgersteig oder fädelten sich auf die andere Straßenseite durch mehrere Autoreihen hindurch. Ich klemmte mich an ihre Hinterräder, konnte aber nur mit Müh und Not Schritt halten. Endergebnis war, dass ich schneller als gedacht am Kolosseum eintraf.

Der Besucherandrang war gewaltig. Ich schob mein Fahrrad durch die Menschenmenge und schaute voller Bewunderung in ungläubigem Staunen in die Höhe. In welchen baulichen Dimensionen haben Menschen gedacht, die zwar die Macht, aber doch nicht annähernd die technischen Mittel zur Verfügung hatten, wie wir heute? Das Kolosseum muss für damalige Verhältnisse auf die Menschen geradezu überwältigend gewirkt haben.

 

Das ist der Konstantinsbogen, wohl der berühmteste aller Triumphbögen Roms. Wie oft habe ich ihn in meiner Schulzeit im Geschichtsbuch gedankenvoll betrachtet. Kaiser Konstantin ließ diesen Bogen den Senat in Erinnerung an seinen Sieg über seinen römischen Rivalen Maxentius im Jahre 312 in unmittelbarer Nähe des Kolosseums 315 errichten.

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Das ist das Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II, dem ersten König des neugegründeten Königreich Italien, an der Piazza Venezia. Heute gehört es zu den Staatssymbolen der italienischen Republik. Natürlich erklärt sich die Dimension und der Aufwand dieses Denkmals auch aus der Freude und Bedeutung, die nach den Jahren des Risorgimentos endlich zur Einigung eines nationalen Italiens 1861 geführt hatten.

 

Der unvergessliche Blick auf den Tiber mit der Engelsbrücke und die wuchtig und verschlossen aussehende Engelsburg. Dieses Gebäude wurde als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian 117-139 n.Chr. gebaut. Seine Letzte Form erhielt das Bauwerk aber, als später Päpste das Mausoleum als Kastellburg umbauten. Seit 1906 ist die Burg ein Museum.

 

Kurz vor 12 Uhr Mittag erreichte ich die Via della Conciliazione, von der aus ich sofort die säulengeschmückte Eingangsfassade und die mächtige Kuppel des Petersdomes erblicken konnte. Der langersehnte Anblick der Kirche Petri, der strahlend schöne Tag und die sonntägliche Stimmung der Menschen ergriffen mich auf das tiefste. So zögerte ich nicht und ging in freudiger Erwartung auf den Petersplatz zu.

 

Auch bei glühender Hitze strömen die Menschen auf den Petersplatz.

Der Petersplatz vor dem Dom wurde 1656 - 1667 von dem Bildhauer Bernini angelegt. Er schuf die ovalen Säulenarkaden, die in wunderbarer Weise die Gläubigen auf dem Platz zu umfassen scheinen. Bis hierhin hatte ich mich durch die vatikanischen Polizeikontrollen hindurchgearbeitet und nun konnte ich sogar aus dem Lautsprecher die Messe und die Stimme des Papstes aus dem Dom hören.

 

Der Petersdom wohl die berühmteste Kirche der Christenheit hat eine lange Geschichte. Sie steht an dem Ort, an dem der Apostel Petrus nach seinem Martyrium unter Kaiser Nero 60 n.Chr. beigesetzt wurde. Der Altar einer kleinen Kirche auf dem vatikanischen Hügel bezeichnet die Grabstelle. Um 324 n.Chr. lässt Kaiser Konstantin hier eine neue Basilika im klassischen Stil bauen, Im Jahre 1452 n.Chr. beschloss Papst Nikolaus V. die baufällige Basilika durch einen völligen Neubau zu ersetzen. Anfang des 16. Jahrhunderts arbeiteten die größten Baumeister und Künstler ihrer Zeit an dem neuen Dom. Vor allem Michelangelo gab dem Dom durch seine großartige Kuppel ein eigenes Gepräge. Von dem mittleren Balkon der großen Fenstern in der Fassade erteilt der Papst den auf dem Platz versammelten Gläubigen den Segen Urbi et Orbi.

Schritt für Schritt bewegte ich mich mit einem Strom von Menschen auf das Eingangstor des Domes zu.

Im Innern des Domes empfing mich ein großartiger Raum. Einfache Strukturen, die mächtig und reich ausgeführt waren. Die wuchtigen Pfeiler, die kassettengeschmückten Bögen und die riesige Kuppel, alles auf das Allerprächtigste ausgeschmückt erzeugte bei mir ein Gefühl freudiger Hochgestimmtheit. Unter der Kuppel, die vom Boden aus 120 m in die Höhe ragt, wurde mir die Majestät des Ganzen in seinen gewaltigen Ausmaßen bewusst. Aber es waren nicht nur die Ausmaße, die mich beeindruckten, ich bewunderte auch die innere Harmonie des Raumes , in dem die Gedanken des Barocks und der Renaissance sich glücklich vereinten.

 

Ein weiterer Höhepunkt im Petersdom ist der Papstaltar über dem Grab des heiligen Petrus, überdacht von einem 29 m hohen Baldachin, der sich direkt unter der Vierungskuppel befindet und von hier das Mittelschiff beherrscht. Er wurde im Jahre 1633 von dem Bildhauer Bernini im Barockstil für Papst Urban VIII. erschaffen.

 

Zweifellos ist die Pieta Michelangelos, die eine jugendlich wirkende Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Jesus über derm Schoß zeigt, ein Höhepunkt abendländischer Kultur. Michelangelo hat diese Marmorskulptur im Jahre 1499 im Alter von nur 26 Jahren vollendet. Diese Statue mit eigenen Augen gesehen zu haben, erfüllte mich mit Dankbarkeit.

Natürlich gab es noch weitere unvergessliche Statuen und Bildwerke, die ich leider nicht alle zeigen kann. Ein Besuch im Petersdom wird wohl jedem in unvergesslicher Erinnerung bleiben.

 

Die Engelsburg von der Uferstraße aus gesehen. Der ursprünglichen Bestimmung gemäß, wurden in der Burg Kaiser Hadrian, Marc Aurel, Commodos, Septimius Severus beigesetzt. Ab dem 10. Jahrhundert war die Burg im Besitz der Päpste und wurde als Zufluchtsort oder Fluchtweg genutzt.

 

Großes Gedränge in den Straßen der Altstadt von Rom.

 

Die Fontana di Trevi ist eines der schönsten Brunnen Roms. Die Menschen drängten sich um dieses herrliche Bauwerk barocker Brunnenkunst, das an die Rückseite des Palastes der Herzöge von Poli gebaut wurde. Die Sage sagt, wer über seine Schulter eine Münze in den Brunnen wirft, werde nach Rom zurückkehren. Das habe ich zwar nicht machen können, werde aber dennoch eine Gelegenheit suchen, nach Rom zurückzukehren.

Der Brunnen zeigt den Gott Neptun, Herrscher der Meere, der auf einer Welle reitet. Ihm zur Seite im tosenden Wasser rechts und links befinden sich zwei Tritonen. Der eine kämpft mit einem wilden Pferd, der andere führt sein Pferd an ruhigem Zügel. Das wilde und das ruhige Meer sind überzeugend symbolisiert. Man spürte hier, dass kein Aufwand zu groß war, um die Menschen mit einem schönen Kunstwerk zu erfreuen. Das ganze Lebensgefühl einer Stadt offenbart sich darin.

 

Der Circus Maximus, eine Wettkampfarena von 600 m Länge und 140 m Breite mit Tribünen, Logen und Wassergräben, die die Athleten von den Zuschauern trennten. Vor allem fanden hier Wagenrennen statt aber auch Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen. Zu den besten Zeiten konnte der Circus wohl bis zu 250 000 Menschen aufnehmen. Ab dem 6. Jahrhundert verfiel der Circus Maximus und heute schaute ich nur noch auf eine von Sandflächen durchsetzte Wiese.

 

Die Statue des römischen Kaisers Augustus. Er war 31 v.Chr. bis 14 n.Chr. Alleinherrscher des römischen Reiches. Der wachhabende Soldat bewundert ihn noch heute.

 

Das Trajansforum wohl das prächtigste Forum des alten Roms. In dem unteren Gebäudehalbrund liegen die überdachten Läden.

 

Die Säule des Trajan, mit der Darstellung der Dakerkriege und die Kirche von Santa Maria di Loreto. Die Säulen sind die Reste der größten Basilika, mit 170 m Länge und 60 m Breite, die je in Rom gebaut wurde.

 

Durch enge Gassen arbeitete ich mich bis zum Pantheon vor.

Als ich die Piazza di Rotonda erreichte, bot sich mir der Anblick eines monumentalen Rundbaus in Art der römischen Flachziegel-Bauweise. Ich wusste, es war der Pantheon, eines der Wahrzeichen Roms, ein Tempel, der allen Göttern Roms geweiht war. Der Tempel, der ursprünglich 27 v.Chr. von Marcus Agrippa, Schwiegersohn des Kaisers Augustus, erbaut wurde, jedoch einer Feuersbrunst zum Opfer fiel, wurde von Kaiser Hadrian in der heutigen Form 130 n. Chr. neu errichtet.

Vor dem Eingang in den Tempel hatte sich eine lange Schlange der Besucher gebildet, sodass es mich einige Überwindung kostete, mich auch anzustellen und in Geduld auszuharren.

 

Das lange Warten hatte sich gelohnt. Ich betrat einen Rundtempel mit einer fast halbkugelförmigen Kuppel, deren nach unten gerichtete Hälfte den marmornen Boden zu berühren schien. Wieder einmal ein Wunderwerk römischer Baukunst, das erhaben und harmonisch wirkte. Seit dem 7. Jahrhundert wurde der Tempel in eine Kirche umgewandelt. In neuerer Zeit ist der ehemalige Tempel eine Grabeskirche, wo die Gebeine der Könige Vittorio Emanuel II. und Umberto I, sowie die der großen Maler Raffael und Peruzzi ruhen.

 

Reste des Forum Romanums mit den verbliebenen Säulen des Dioskuren-Tempels Castor und Pollux. Im Hintergrund die frühmittelalterliche Kirche Santi Luca e Martina.

 

Mittlerweile ging es auf 17 Uhr zu und ich beschloss, nach einem herrlichen und äußerst intensiven Besuchstag von Rom wieder auf der Tusculana zu meinem Hotel zurück zu fahren.